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Visuelle
Sprachen 
Ist zweckmäßiges Design eine visuelle Sprache? Gibt es Richtlinien oder
liegt die Schönheit im Auge des Betrachters? Wie kann es ein Designer
schaffen, bei einem Besucher ein Gefühl zu erzeugen? Kann man
Vertrautheit, Neugier, Angst, Freude an- und ausschalten, wie es einem
beliebt?
Es ist wichtig zu wissen, das Menschen, so verschieden sie
auch sind, gewisse Gemeinsamkeiten haben. Ein Mensch macht im Laufe
seines Lebens eine Vielzahl von Erfahrungen, die audiovisuell
abgespeichert und mit Emotionen belegt werden. So ergibt sich, das
viele Menschen nicht nur dieselbe Sprache sprechen sondern auch das
Gleiche mit Bildern, Formen und Farben verbinden.
C. G. Jung nannte das den Archetypus. Er stellte fest, das
bestimmte Symbole die in Träumen auftraten, oft dieselbe Bedeutung
hatten. Je elementarer das Gesehene, desto umfassender war die
Übereinstimmung. Eine Farbe zum Beispiel wird von allen Menschen primär
mit denselben Emotionen belegt. Das liegt daran, dass die Evolution
genetisch vorgreift. Daher ist die Farbe als Ausdrucksmittel elementar.
Die sekundäre Bedeutung der Farben ist auch von der Kultur abhängig.
Rot ist primär immer eine Signalfarbe, sekundär steht sie manchmal für
Liebe, manchmal aber für Aggression. Festlichkeiten und Freude in China
und politische Aussage im Kommunismus sind ebenso mit Rot belegt.
Im Gegensatz zu den Farben werden Tiere, Pflanzen und
komplexe Formen viel mehr kulturgeschichtlich belegt. So können
verschiedene Wahrnehmungsebenen bei Menschen angesprochen werden.
Soziale Gruppen können Symbole wiedererkennen und sie mit sich
identifizieren. Ein Zahnrad ist für einen Informatiker ein Symbol, das
mit dem Betriebssystem zu tun hat. Ein Ingenieur sieht darin eine
Mechanik oder eine Maschine. In der Symbolsprache des Internet
entstehen auch neue Symbole und gewinnen ihre Gültigkeit. Die Lupe als
Symbol für das Suchen, das Kuvert als Symbol für Post oder Email.
Visuelle Sprachen können viele Menschen erreichen oder nur
für eine bestimmte Menschenmenge spezifiziert werden. Die chinesischen
Schriftzeichen sind dafür ein Beispiel. Sie sind Piktogramme und
beschreiben jedes für sich ein Wort oder einen Gegenstand. Es gibt in
China viele verschiedene Sprachen, doch können alle auf dieselbe
Schrift zurückgreifen und über sie miteinander kommunizieren.
Ein Webdesigner gestaltet eine Seite oft für einen ganz
bestimmten Kundenkreis. Er muß die visuelle Sprache dieses
Menschenschlags lernen, verstehen und verwenden. Der Designer kann
hierzu Orte aufsuchen, die diese Menschen besuchen. Dinge ansehen, mit
denen sich diese Menschen beschäftigen. Ein Webdesigner speziell sollte
sich für die Informationsvermittlung interessieren. Es entstehen
Fragen. Auf welche Weise verarbeiten diese Menschen bestimmte
Informationen? Welche Farben, Gegenstände begegnen ihnen im Alltag
öfter und was bewirkt ihr Anblick bei ihnen? Was mögen sie, was nicht?
Warum haben sie beschlossen, zu diesem Menschen zu gehören, welche
Motivation hat sie einst bewegt? Je einfühlsamer und kreativer diese
Fragestellungen, desto verläßlicher ist später das Ergebnis. Die
Erlebniswelt solcher Gruppierungen zu verstehen und auf der
Internetseite in Form und Farbe wiederzugeben, ist das Ziel.
Zumindest können fatale Fehler im Webdesign vermieden werden.
Das Ergebnis dieser Hausaufgaben könnte darin bestehen, dass sich die
Zielgruppe auf den Seiten wohl fühlt, ohne eigentlich zu wissen warum.
Ein Designer kann als Dienstleister verstanden werden, der nichts
anderes macht, als verschiedene visuelle Sprachen zu beherrschen und zu
übersetzen. Selbst wenn das Design in der Entscheidung bewußt eine
visuelle Sprache nicht sprechen möchte, ist eine Analyse dieser Sprache
vorangegangen.
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