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Navigation und Dramaturgie  Druckversion



Viele Webseiten beschäftigen sich wenig mit der Dramaturgie, wenn es darum geht Informationen dem zur Verfügung zu stellen. Die Navigation wird wie ein Interaktives Inhaltsverzeichnis eingesetzt. Doch was bedeutet Dramaturgie im Webdesign, und was kann sie erreichen?

Ursprünglich ist das Drama ein Begriff aus dem Theater, und beschreibt eine tragische Geschichte, an dessen Ende ein katastrophaler Ausgang steht. Der Begriff Dramaturgie ist daraus entstanden und bezeichnet in der Regie, eine Zuspitzung der Erzählung zu einem Höhepunkt hin. Dramaturgie ist aber eigentlich ein Regelwerk, das so alt ist wie die Kommunikation selbst. Sie ist selbst in den ursprünglichsten Ritualen der Menschen enthalten. Die Religion bedient sich ihrer genauso wie der Humor und Spiel. Literatur oder Film benutzen diese Elemente genauso wie die Schulen die Information beibringen sollen, oder auch Musik. Wenn Dramaturgie fehlt spricht man von trockener Materie. Pädagogische Untersuchungen zeigen, das Schüler besser lernen, wenn ein Fachbereich vom Lehrer dramatisch inszeniert wird. Zuspitzung auf einen Höhepunkt hin, Spannung, und Erwartungen sind die Mittel einer dramatischen Informationsweitergabe.

Wie kann man im Webdesign diese altbewährten Mittel zum Ausdruck bringen? Bei einer Webseite gibt die Navigation dem User die Kontrolle in die Hand. Der Hyperlink ist die elementarste Form einer Erwartung. Ein Surfer sieht es jedoch gar nicht gern, wenn er ein Link benutzt und dann eine Überraschung erlebt. Und dennoch gibt es Wege. Viele sind noch nicht erkundet und so läßt sich für die Zukunft hoffen.

Es gibt im Internet die Regel der Informationstiefe. Das bedeutet, daß die Startseiten verschiedene Informationen anschneiden, um ein Überblick zu schaffen. Je tiefer der Surfer in die Seite eindringt, desto detaillierter wird die Information. Hier geht man davon aus, das jeder User anhand einer Selektion über die Verweildauer entscheidet. Je länger er sich auf dieser Seite befindet, desto bereiter ist er, lange Textabschnitte zu lesen. Die logische Schlußfolgerung ist, daß die dramatischen Elemente am Anfang stärker sein sollten um den Betrachter zum verweilen zu bewegen. In den tieferen Ebenen der Seite geht es dann mehr um die nackte Information. Portale benutzen diese Technik häufig. Es vermittelt des weiteren das Gefühl etwas durch zu stöbern. Bei e-commerce wird die Informationstiefe verwendet um Produkte in mehreren Ebenen zu beschreiben. Das Produkt ist es worum es hier geht. Die Information über das Produkt steht für das virtuelle Anfassen und Anschauen dessen in einem Kaufhaus.

Eine der wichtigsten Möglichkeiten unbewußte Erwartungen zu schaffen ist die Metapher. Sie erlaubt dem Designer die Verwandlung der Navigation. Spielerische Elemente können hier Einzug erhalten. Eine Internet Seite, die Geschenke präsentiert kann die Navigation wie eine oder mehrere Verpackungen aufbauen, die man öffnen muß. Eine Linear ablaufende Java Seite kann Ihrem Besucher eine Tasse Kaffee anbieten. Ein klicken auf die Tasse führt zur nächsten Seite. In der nächsten Seite ist der Kaffee schon 1/3 weniger und am ende der Präsentation ist die Tasse leer, und man verabschiedet seinen Besucher. Hier gibt es unzählige Möglichkeiten. Jedoch sollte man als Webdesigner nie die Bedürfnisse des Surfers einer Metapher unterwerfen.

Eine andere Möglichkeit ist die Reihenfolge und die Größe der Navigationselemente. Hier gilt oben vor unten, links vor rechts und groß vor klein. So kann man wichtige Elemente dem Surfer näher bringen, und die Unwichtigen in den Hintergrund rücken. Auch hier gilt aber ein behutsames Umgehen, da es sich sonst genau in die entgegengesetzte Richtung wenden kann. Sollte der User dieser Manipulation Gewahr werden erzeugt es leicht Trotz. Einer der schlimmsten Fehler überhaupt ist es, dem Surfer das Gefühl zu geben, daß man ihn manipuliert, bevormundet ihn sogar versucht zu etwas zu zwingen. Ein riesen großer "Hier Registrieren" Button hat noch niemanden geholfen.

Einige Methoden die mit Gewalt den User locken wollen, werden in der Werbung eingesetzt. Vor allem bei Bannern wird die Technik der Fragen benutzt. Ein Trick aus dem Marketing ist es Fragen zu stellen, um zu einer Kommunikation aufzurufen. Die Antwort auf eine Frage ist meistens die Webseite auf die man den Surfer locken will.

Die schwierigste Methode unter den praktizierten ist wohl eine Vollständige Regie der Navigation. Man arbeitet mit mehreren Navigationsebenen, und benutzt manchmal auch Metaphern. Der User hat in den verschiedenen Seiten nur zu bestimmten Bereichen Zugang. Nie sind alle Navigationspunkte von einer Seite aus zugänglich. Der Sufer wird sorgfältig dirigiert und zu vorgesehenen Orten geführt, ohne das er weis wie ihm geschieht. Der Besuch so einer Seite kann zu einem Abenteuerspiel werden.

Als Webdesigner ist es auch empfehlenswert, aus verwandten Bereichen zu lernen. Obwohl Internet Seiten sich durch ihre Interaktivität vom Film unterscheidet, gibt es Ansatzpunkte die ähnlich sind. So kann man die Eingangsseite mit der sog. "Totale" vergleichen. Hier orientiert sich der User wie beim Film und fällt ein Urteil, das er durch die folgenden Eindrücken meist nicht ändert. Im Film dauert diese Orientierungsphase mindestens 10 Sekunden. Webdesign kann diese Phase der Wahrnehmung dazu benutzen, Erwartungen und Emotionen zu erzeugen. Diese sollten dann in den Folgeseiten nach und nach befriedigt werden. Neuere Technologien wie Flash oder Steaming Media, werden in Zukunft weitere Möglichkeiten eröffnen. Wie in allen Dingen gilt es auch hier ein Mittelmaß zwischen den dramatischen Elementen, der Information, und den Bedürfnissen der Surfer zu finden. Dies ist eine Herausforderung, daß Webdesign auch in Zukunft so spannend und dramatisch gestaltet.

  

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